Hallo ihr Lieben, hier ist wieder Karin.
Ich sage es jedes Jahr, und ich sage es jedes Jahr wieder. Der Winter in Österreich hat es wirklich in sich. Diese endlosen grauen Tage. Man möchte manchmal einfach laut fragen, warum es bitte so dunkel sein muss. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr, wann ich zuletzt richtig Sonne gesehen habe. Grau, kalt, nasser Boden, die unheilvolle Dreifaltigkeit des Winters. Kein Wunder, dass auch die Kinder kaum Lust haben, draußen zu spielen. Natürlich versuchen wir gegenzusteuern, gehen ins Kino oder ins Museum, überlegen uns Aktivitäten … aber dieses Wetter geht einem einfach auf die Psyche. Nächste Woche beginnt das zweite Semester. Es wäre wirklich schön, wenn sich der Frühling zumindest ein kleines bisschen blicken lassen würde.
Ein kleiner Zeitsprung zurück. Im vergangenen Dezember war ich seit Langem wieder einmal für einen Workshop mit Übernachtung unterwegs. Allein. Ohne Familie. Tatsächlich war das meine erste Übernachtung allein seit der Geburt von der Große, also seit gut sieben Jahren. Dank meines Mannes und meiner Schwiegereltern hatten die Kinder auch ohne mich eine richtig gute Zeit. Dafür bin ich unglaublich dankbar.

Der Workshop, den ich besucht habe, hieß „Beckenboden im Sport“ nach dem Tanzberger-Konzept. Dieses Konzept wurde von der Münchner Physiotherapeutin Renate Tanzberger entwickelt und beschäftigt sich mit der gesunden Funktion des Beckenbodens sowie mit Blasen- und Darmfunktionen fundiert, praxisnah und mit viel medizinischem Hintergrund.
Das Tanzberger-Konzept ist auch hier in Österreich nur wenigen Fachpersonen bekannt. Warum also der Weg nach Deutschland? Gut, so weit ist es nun auch wieder nicht.
Als ich vor einigen Jahren begonnen habe, als Pilates-Trainerin zu arbeiten, kam ich in einem Workshop erstmals intensiver mit dem Thema Beckenboden in Berührung und war sofort fasziniert. Ich wusste damals schon „Das will ich vertiefen, das soll mein Schwerpunkt werden“. Ich habe zahlreiche Fortbildungen besucht, weitergelernt, hinterfragt. Das ist inzwischen gut zwölf Jahre her.
Damals sagte eine Hebamme, die einen Workshop zu prä- und postnatalem Pilates leitete, einen Satz, der mir bis heute im Kopf geblieben ist:
„Wenn du den Beckenboden wirklich verstehen willst, kommst du am Tanzberger-Konzept nicht vorbei.“
Natürlich habe ich sofort recherchiert und war erst einmal ziemlich ernüchtert. Die Ausbildungen richteten sich ausschließlich an Physiotherapeut:innen und Hebammen. Für Trainer:innen gab es schlicht kein Angebot. Ich weiß noch genau, wie enttäuscht ich war. Trotzdem habe ich über Jahre hinweg immer wieder auf der Website nachgesehen, in der Hoffnung, dass sich irgendwann eine Tür öffnet.
Und dann kam 2024. Während meiner Karenz mit der Kleine habe ich einen Onlinekurs rund um das Thema Postpartum besucht „Postpartum Pro“, entwickelt von zwei Physiotherapeutinnen. Ein großartiger Kurs. Die beiden betreiben auch einen Podcast, und in einer Folge war plötzlich eine Referentin des Tanzberger-Konzepts zu Gast. Dort fiel dieser eine Satz:
Es wird einen neuen Workshop für Trainer:innen geben „Beckenboden im Sport“.
In dem Moment war klar. Da muss ich hin. Ich habe über zehn Jahre darauf gewartet.
Also, sechs Stunden Zugfahrt, einmal quer durch Süddeutschland und dann saß ich endlich im Workshop. Und ich glaube ehrlich gesagt, so viele Aha-Momente hatte ich noch nie in einer Fortbildung. Unzählige Fragen, die sich über Jahre angesammelt hatten, haben plötzlich Sinn ergeben. Gleichzeitig war es auch ernüchternd zu sehen, wie viel unbelegte, teils schlicht falsche Information im Internet kursiert und was in manchen privaten Beckenboden-Ausbildungen eigentlich vermittelt wird.
Über die konkreten Inhalte werde ich hier im Blog nicht im Detail schreiben, sie fließen ohnehin nach und nach in meine Arbeit und meine Stunden ein. Aber eine Erkenntnis hat sich tief eingeprägt. Im Training geht es um funktionelle Bewegung, orientiert an der natürlichen Arbeitsweise des Körpers.
Den Beckenboden isoliert „zu stärken“, bringt wenig. Er funktioniert nie allein und sollte auch nie allein trainiert werden.
Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, ist Harninkontinenz. Sehr viele Menschen sind davon betroffen. Viel mehr, als man denkt. Nur spricht kaum jemand darüber. Aber bitte denkt daran
Häufig heißt nicht normal.
Harnverlust ist kein Zustand, den man einfach hinnehmen sollte. Und wenn man wegschaut, weil es „eh nur ein bisschen“ ist, kann genau daraus später ein großes Problem werden. Deshalb habt den Mut, euch frühzeitig an Fachpersonen zu wenden, solange es noch bei diesem „bisschen“ bleibt.
In diesem Sinne, bis bald


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