Hallo ihr Lieben, hier ist Elisa!
Seit meiner Rückkehr nach Wien sind schon zwei Wochen vergangen. In Japan hatten wir viele schöne, sonnige Tage, und so schlägt mir das typisch dunkle Winterwetter in Wien doch ein wenig aufs Gemüt. An kalten Tagen möchte ich mich am liebsten zu Hause verkriechen und fleißig am Blog weiterarbeiten.
Nun möchte ich, wie angekündigt, den letzten Teil unserer Reise nach Kyoto und Nara festhalten.
Tōdai-ji
Im zweiten Teil endete unsere Reise damit, dass wir nach Nara weitergezogen sind und den Hōryū-ji besichtigt haben. Heute starten wir also beim Tōdai-ji in Nara. Tatsächlich war ich dort schon einmal, als ich etwa drei oder vier Jahre alt war – aber ehrlich gesagt habe ich so gut wie keine Erinnerung mehr daran. Das Einzige, woran ich mich noch erinnern kann, ist, dass ich beim Füttern der Rehe bitterlich geweint habe, weil sie größer waren als ich selbst 😢. Tja, so sind Kindheitserinnerungen eben.
Unser Hotel lag nicht allzu weit vom Nara-Park und vom Tōdai-ji entfernt, also machten meine Mutter und ich uns morgens zu Fuß auf den Weg. Und plötzlich tauchten aus dem Nichts unzählige Rehe auf! Sogar auf der Straße standen sie.


Da sie an Menschen gewöhnt sind, kommen sie ziemlich zutraulich näher, in der Hoffnung, Futter zu bekommen. Das hat mich ein wenig an die Eichhörnchen in Wien erinnert.
So bahnten wir uns also unseren Weg durch eine große Herde Rehe und erreichten schließlich den Tōdai-ji. Und auch hier wurde man nicht zuerst vom Großen Buddha, sondern von einem Reh begrüßt.

Die Szenerie wirkt fast wie aus einem Computerspiel, passt aber erstaunlich gut zusammen. Bis hierhin war ich völlig von den Rehen abgelenkt, doch je näher wir dem Tōdai-ji kamen, desto mehr überwältigte mich seine gewaltige Präsenz. Mir fiel wirklich nichts anderes ein als: „Unglaublich!“

Der Tōdai-ji ist der Haupttempel der Kegon-Schule und wurde im Jahr 752 von Kaiser Shōmu errichtet. Er soll gebaut worden sein, um die gesellschaftliche Unruhe zu besänftigen, die durch Naturkatastrophen wie Erdbeben und Seuchen entstanden war. Wenn man an den Tōdai-ji denkt, kommt einem sofort der bronzene Große Buddha (Rushana-Butsu) in den Sinn. Die Halle, in der er steht „die Daibutsuden“, gilt als das größte Holzgebäude der Welt.

Der Große Buddha selbst ist etwa 15 Meter hoch, allein das Gesicht misst rund fünf Meter, und die Handflächen sollen etwa 1,5 Meter groß sein. Die Daibutsuden wiederum ist rund 49 Meter hoch, 57 Meter breit und etwa 50 Meter tief. Ich bin ungefähr 1,66 Meter groß – kann man sich die Dimensionen anhand dieses Vergleichs vorstellen?

Architektonisch gilt die Halle als ein typisches Beispiel der Tenpyō-Zeit, die sich in der Nara-Zeit entwickelte und stark vom China der Tang-Dynastie beeinflusst wurde. Gleichzeitig handelt es sich um einen Bau im japanischen Stil (Wayō), der die traditionellen Holzverbindungstechniken und das Design Japans nutzt. Massive Balken und Säulen tragen das Gebäude, das fast ganz ohne Nägel auskommt und mithilfe der sogenannten Holzverzapfung („Kumiki“) errichtet wurde.
Interessanterweise wurde zuerst der Große Buddha fertiggestellt, und erst nach seiner feierlichen Einweihung wurde die Große Buddha-Halle vollendet. Wenn man sich vorstellt, was für eine enorme Leistung es gewesen sein muss, ein Bauwerk dieser Größe mit den damaligen Mitteln zu errichten, kann man nur staunen. Und dass es, trotz zahlreicher Renovierungen, bis heute erhalten geblieben ist, zeigt, wie hochentwickelt und robust die japanische Baukunst schon damals war. In einer Zeit, in der Naturkatastrophen leider allgegenwärtig sind, hatte ich das Gefühl, dass man diese traditionellen Techniken mit natürlichen Materialien wieder stärker wertschätzen sollte.
Beim Verlassen des Tōdai-ji verabschiedete sich übrigens noch ein letztes Reh von uns.

Kasuga-Taisha
Nun geht es weiter zum Höhepunkt unserer Nara-Besichtigung, dem Kasuga-Taisha.
Vom Tōdai-ji aus sind es etwa zehn Minuten zu Fuß. Nachdem wir durch einen ursprünglichen Wald gegangen waren, tauchte plötzlich der leuchtend rote Schrein vor uns auf.

Der Kasuga-Taisha wurde als Schutzschrein der Fujiwara-Familie gegründet, die besonders in der Heian-Zeit großen politischen Einfluss hatte, und zählt zu den bedeutendsten Schreinen des Shintō.

Zinnoberrot gilt in Japan und China seit jeher als Farbe, die böse Geister abwehren soll – ein echter Blickfang. Der Kasuga-Taisha ist außerdem für seine zahlreichen gestifteten Laternen bekannt, und auch davon konnten wir einen Eindruck gewinnen.

Sie werden mit Wünschen wie Familiensicherheit oder geschäftlichem Erfolg gestiftet, und das warme Licht, das in der dunklen Umgebung sanft leuchtete, war einfach wunderschön.
So ging unsere Nara-Besichtigung in der begrenzten Zeit zu Ende, und wir machten uns wieder auf den Weg zurück nach Kyoto, um von dort weiter nach Shinshū zu fahren. Angenehm müde gönnten wir uns zum Abschluss noch eine Mahlzeit in Kyoto.

Ich entschied mich für ein Yuba-Menü. Yuba war ursprünglich eine Zutat der buddhistischen Küche, und da das hochwertige Grundwasser in Kyoto besonders gut für die Herstellung von Tofu und Yuba geeignet ist, gilt es heute als eine der kulinarischen Spezialitäten der Stadt. Zum Abschluss genoss ich noch eingelegtes Gemüse und verschiedene Obanzai-Gerichte.
Auch wenn es nur eine kurze Reise von zwei Nächten und drei Tagen war, finde ich, dass meine Mutter und ich eine wirklich schöne Zeit zusammen hatten. Westjapan hat noch so viele Orte zu bieten, die ich gern einmal sehen möchte, das heben wir uns einfach für das nächste Mal auf.
Vielen Dank, dass ihr auch heute wieder bis zum Schluss gelesen habt 😌
Bis zum nächsten Mal!
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Reise nach Kyoto und Nara – Teil 1
Reise nach Kyoto und Nara – Teil 2


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